Die selbstverschuldete Milchkrise

Mit dem Fall der Milchquote fielen auch die Milchpreise. Diese Erfahrung müssen derzeit viele Milchbauern machen. Doch die „Milchkrise“ ist letztlich eine selbstverschuldete Krise.

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts führte die steigende Milchproduktion in der damaligen Europäischen Gemeinschaft zu „Milchseen“ und „Butterbergen“. Um den Milchmarkt zu regulieren, wurde die Milchquote eingeführt: Reduzierung der Milchmenge und somit stabile Preise für die Bauern.

Mit der Reform der EU-Agrarpolitik wurde zum 1. April 2015 die Milchquote abgeschafft. Die Bauern reagierten und investierten. Die Bauern gingen davon aus, dass ohne die Quote und Aufgrund der Nachfrage am Weltmarkt, ordentliche Gewinne und Profite möglich wären.

Überproduktion statt satte Profite

Es kam jedoch anders als viele Bauern dachten. Mit dem Ende der Quote stieg die Produktion, doch die Nachfrage blieb aus. Stattdessen sanken die Preise auf durchschnittlich 27,21 Cent pro Kg angelieferte Kuhmilch. Die Folge? Statt Profiten häuften sich die Schulden und viele Bauern stehen vor dem finanziellen Ruin. Die Milchbauern haben sich, beim Ausbau der Ställe beziehungsweise Produktionskapazitäten, verkalkuliert und sind inzwischen völlig überschuldet. 

Politisch stellt sich derzeit die Frage, ob der Steuerzahler für die Fehlspekulation der Bauern aufkommen soll oder ob diese selbstverschuldete Milchkrise genutzt wird um längst überfällige Strukturreformen durch- und umzusetzen.

Low-Input statt High-Input

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Um den Milchpreis zu stabilisieren hilft nur eine Drosselung der Produktion und dies lässt sich entweder durch die Einführung einer europaweiten Quote oder durch eine Umstellung von der Stall- auf die Weidewirtschaft realisieren.

Die Umstellung auf eine Low-Input Weidehaltung wäre eine kostengünstige und auch umweltschonende Alternative für die Milchbauern. Im Gegensatz zu einer Holstein-Friesian, die es auf bis zu 12.000 kg Milch pro Jahr bringt, sind Jersey oder ähnliche Rassen (ca. 6.000 kg Milch) für die Weidehaltung deutlich besser geeignet. Der Vorteil der Low-Input Weidewirtschaft ist, dass man auf Kraftfutter (importiertes Getreide und Soja) verzichten kann. Die Kosten pro kg Milch sinken und damit werden die Betriebe auch wieder wettbewerbsfähiger.

Zugegeben: die Milchproduktion sinkt. In Anbetracht der aktuellen Überproduktion wird die geringere Milchleistung kurzfristig durch geringere Kosten (insbesondere für Futtermittel) und mittelfristig durch höhere Milchpreise kompensiert. Nicht nur für die Landwirte, auch für die Verbraucher und letztlich für die Tiere ist ein Strukturwandel in der Milchwirtschaft dringend notwendig.

 

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