Warum ich überzeugter Europäer bin

Die Europawahl 2014 steht vor der Tür und trotz der europäischen Erfolgsgeschichte befinden sich antieuropäische Kräfte derzeit im Aufwind. Statt eines geeinten und grenzenlosen Europa, das sich in der globalisierten Welt behaupten muss, sehen einige Parteien die politische Zukunft in kleinen Nationalstaaten, um sich wie in einer Festung gegen die Welt da draußen abzuschotten.

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als Europa alles andere als grenzenlos war. Damals, als es noch Grenzkontrollen gab und die Pässe mit Ein- und Ausreisestempel verschönert wurden. Damals, als jedes Land seine eigene Währung hatte und das Umrechnen zwischen D-Mark, französischen Frans, niederländischen Gulden und italienischen Liren alles andere als einfach war. Damals…

Als jemand, der im Europa der Nationalstaaten aufgewachsen ist, weiß ich die Vorzüge des geeinten Europas und der EU zu schätzen. Ich wurde zur Zeit des Kalten Krieg in Belgien geboren, habe in Großbritannien studiert und konnte in meiner Sturm-und-Drang-Zeit ohne Grenzkontrollen kreuz und quer durch Europa reisen. Ich bin und fühle mich als Europäer und diese Identität kann mir kein Sympathisant von Vlaams Belang, UKIP oder der AfD nehmen.

Gerade weil ich mich als Europäer fühle, lehne ich den antieuropäischen und reaktionären Kurs dieser national- und regionalchauvinistischen Parteien ab. Ganz im Gegenteil: mir persönlich geht die europäische Einigung nicht weit genug. Das Europäische Parlament, das Schengen Abkommen, die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und der Vertrag von Lissabon sind nur kleine Schritte in die richtige Richtung:

„Es gibt ein Heilmittel, das […] innerhalb weniger Jahre ganz Europa […] frei und glücklich machen könnte. Dieses Mittel besteht in der Erneuerung der europäischen Familie, oder doch eines möglichst großen Teils davon. Wir müssen ihr eine Ordnung geben, unter der sie in Frieden, Sicherheit und Freiheit leben kann. Wir müssen eine Art Vereinigter Staaten von Europa errichten.“

Ich kann jedem – vor der Stimmabgabe am Sonntag – nur nahelegen die Rede von Winston Churchill gründlich zu lesen und sich zu überlegen in was für einem Europa wir in Zukunft leben wollen: in einem freiheitlichen, demokratischen und geeinten Europa oder in einem Nationalstaat, der Schlagbäume errichtet und sich vor seinen Nachbarn hinter Grenzzäunen und Handelsbarrieren versteckt?

Zum Schluss noch ein Text von Victor Hugo, der bereits im August 1849 die Vision eines geeinten Europas hatte:

Un jour viendra où vous France, vous Russie, vous Italie, vous Angleterre, vous Allemagne, vous toutes, nations du continent, sans perdre vos qualités distinctes et votre glorieuse individualité, vous vous fondrez étroitement dans une unité supérieure, et vous constituerez la fraternité européenne, absolument comme la Normandie, la Bretagne, la Bourgogne, la Lorraine, l’Alsace, toutes nos provinces, se sont fondues dans la France.

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Ein Gedanke zu “Warum ich überzeugter Europäer bin

  1. 1.) „… trotz der europäischen Erfolgsgeschichte befinden sich antieuropäische Kräfte derzeit im Aufwind.“ In guter deutscher Tradition basteln Sie da Ihre eigene Geschichte. Die Logik ist wohl: „Wegen der miserablen Resultate, sind antieuropäische Kräfte im Aufwind.“
    Von welchem Erfolg ist hier die Rede – dass Ihr Pass länger gilt wegen der wenigen Stempel und weil Sie beim Einkauf in Paris weniger rechnen müssen? Oder weil genorrmte Staubsaugerbeutel den WK III verhinderten?
    2.) „…ohne Grenzkontrollen kreuz und quer durch Europa reisen.“
    Richtig, dafür wird jetzt jeder kleine Aspekt Ihres Lebens schon vor Ort reguliert. Richtig praktisch – als fände die Sicherheitskontrollen am Flughafen schon in Ihrem Zimmer beim Packen statt.
    3.) „…die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik…“ Wie gut die greift, sieht man gerade an der Ukraine, und sah man mit Afghanistan und Lybien.
    4.) Kulturelle Institutionen sind die Grundlagen der Zivilisation. Die UN kämpft seit 60 Jahren den teuersten und längsten Kampf der Geschichte dafür, dass Kulturen bewahrt und geschützt werden. Nationale Grenzen schützen die Souveränität einer Volksgemeinschaft, ihrer gewählten Kultur und Traditionen unter gigantischem völkerrechtlich anerkannten Aufwand. Erkennen Sie das Paradoxon?
    Die marxistische Internationale versagte schon 1923, weil sie erkennen musste, dass Nationalität vor Klasse kommt.
    5.) „…sehen einige Parteien die politische Zukunft in kleinen Nationalstaaten, um sich wie in einer Festung gegen die Welt da draußen abzuschotten.“
    Diese Aussage verrät den ideologischen Geist Ihrer Forderungen, anstelle rationaler Vernunft, sonst sähen Sie die faschistischen Elemente in Ihrer vermeintlich humanistisch-pazifistischen Fassade. Der begeisterte Sozialist H.G. Wells hatte schon Ihre utopische Vision von einer „Weltregierung“.
    Wie sagt man: Streite mit Freunden nie über Politik oder Religion. Daran wird die EU scheitern. Hoffentlich bevor wir alle gleich kulturlos und arm sind.

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