Springers erfolgreicher Wandel vom Print- zum digitalen Medienkonzern

Über das Sterben der Printmedien und die Kostenloskultur im Internet wird viel diskutiert und philosophiert, dabei scheint die Realität – zumindest im Hause Springer – ganz anders auszusehen. Zwar wird es bei den Printmedien kein organisches Wachstum mehr geben, dafür bieten gerade die digitalen Medien den Verlagen und Medienkonzernen völlig neue Möglichkeiten.

Dass dieser Wandel möglich ist, zeigt die Axel Springer SE, deren Hauptversammlung gestern in Berlin stattgefunden hat. Die Zahlen für 2013 sind eindeutig: Digital hat einen Anteil von 47,8 Prozent am Umsatz von Springer (2008 lag der Anteil bei 14 Prozent). Noch deutlicher ist es bei den Werbeeinnahmen, dort liegt der Anteil bei 70 Prozent (2008: 22 Prozent). Der Anteil der digitalen Medien am EBITDA beträgt 61,8 Prozent (2008: 4 Prozent).

Springer setzt auf das digitale Geschäft und konzentriert sich auf seine beiden Kernmarken BILD und die Welt. Durch Zukäufe, unter anderem N24, wird das notwendige Know-how erworben um das digitale Angebot auszubauen. Andere Bereiche, wie Boulevard-, Frauen- und Fernsehzeitschriften, werden – wie überflüssiger Ballast – abgestoßen.

Man kann über die journalistische Qualität der Publikationen des Spingerkonzern geteilter Meinung sein, aber bei der Neuausrichtung vom klassischen Print- zum Digitaljournalismus hat der Medienkonzern seine Wettbewerber abgehängt. Technisch (nicht inhaltlich) überzeugen die digitalen Angebote (sowohl iPAd- als auch Android-App der Welt sind deutlich besser als die App der SZ) und auch von den Kosten sind die Angebote interessanter.

Die Menschen sind bereit für journalistische Inhalte zu bezahlen, wenn es ein überzeugendes Angebot gibt. Während sich in den Führungsebenen der Medienkonzerne die Erkenntnis langsam durchsetzt, dass mit Printmedien kein Geschäft mehr zu machen ist, verschließen sich viele (Print)Redaktionen dieser Entwicklung. Anstatt mit der Zeit zu gehen und die neuen Möglichkeiten, die die digitalen Medien dem Journalismus bieten, zu nutzen, werden die Onlineredaktionen belächelt und als zweitklassiger Journalismus degradiert.

Bestes Beispiel für diese Ignoranz ist folgendes Zitat aus der FAS vom 23. März 2013:

“Wobei ja vielleicht wirklich nichts dagegen spricht, einen Internetexperten in die Führungsriege der Zeitung aufzunehmen. Wäre es aber dann nicht sinnvoll, auch einen Journalisten in die Chefredaktion von „Süddeutsche.de“ zu holen?”

Die alte Garde der Printjournalisten muss aufpassen, dass sie nicht nur aus nostalgische Gründen am Tropf des digitalen Medien hängt. Das es soweit kommen kann, das zeigen bereits heute die Kennzahlen der Axel Springer SE:

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