Kohls Mädchen

Wer hätte am 10. April 2000 gedacht, das 10 Jahre später Angela Merkel immer noch Parteivorsitzende der CDU ist? Sicherlich nicht Michael Spreng, der sich in seinem Blog regelmäßig über die politischen Zukunft Merkels äußert.

Er kritisiert ihren Führungsstil, verkündet, dass die CDU sich von Kohls Mädchen emanzipiert und dass das “Kartell der Mittelmäßigkeit” an der CDU-Basis gescheitert sei. Dabei ignoriert er bewusst, dass Merkel nur den politischen Führungsstil ihres Mentor Helmut Kohl erfolgreich fortführt. Auch damals wurde kritisiert, dass die CDU ein reiner Kanzlerwahlverein sei und mögliche innerparteiliche Gegner, wie Geißler, Süssmuth und Späth, durch Kohl politisch kaltgestellt oder weg gelobt wurden.

Dabei darf man nicht vergessen, dass es Kohls Mädchen war, die während einer der größten Krisen der CDU den Mumm hatten die Verantwortung für die Partei zu übernehmen. Damals überließen die “Kronprinzen” ihr den Parteivorsitz, in der Hoffnung das Merkel die Suppe auslöffelt, die Leisler Kiep, Kanther, Koch und Co. der CDU eingebrockt hatten. Doch im Gegensatz zu ihren innerparteilichen Gegnern hatte Angela Merkel ihre Hausaufgaben gemacht und überließ, ähnlich wie Kohl, die Kanzlerkandidatur 2002 der CSU. Ein kluger Schachzug, denn somit war sie für das Stoibersche Wahlfiasko nicht verantwortlich und konnte sich als Oppositionsführerin bis zu den nächsten Wahlen etablieren.

Was die früheren Spitzentalente betrifft, deren Abgang Spreng regelmäßig in seinem Blog bedauert, so sollte man sich mit der politischen Realität auseinander setzen: Christian Wulff hat sich als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland geschickt aus der Verantwortung gezogen und muss sich nicht mehr um Umfragewerte oder seine Wiederwahl als Ministerpräsident Sorgen machen. Koch, der 2008 bereits seinen politischen Zenit überschritten hatte, verdankte seine Wiederwahl als Ministerpräsident letztlich nur der Inkompetenz der SPD bzw. der hessischen Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Auch er nutzte seine Chance und verabschiedete sich vor den nächsten Wahlen in die Wirtschaft. Nicht viel besser sieht es in Stuttgart aus. Günther Oettinger hat sich als EU-Kommissar für Energie nach Brüssel verabschiedet und hinterlässt seinem “Kronprinz” Steffan Mappus nicht nur Stuttgart 21 sondern auch das voraussichtliche Wahlfiasko bei der kommenden Landtagswahl. Friedrich Merz konnte und wollte nicht auf einen Fehler Merkels warten sondern suchte die Konfrontation mit ihr und der Partei, unterlag und spielte fortan den Beleidigten.

Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten, die 2000 nicht bereit waren die Verantwortung für die CDU zu übernehmen und 2010 die erst beste Gelegenheit nutzten um sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen hat Angela Merkel persönliche Interessen hinten angestellt und sich letztlich durchgesetzt. Michael Spreng zitierte einen alten rheinischen Spruch: “Das ist ein guter Mann. Den müssen wir kaputtmachen”. Doch Kohls Mädchen ließ sich vom Kartell der Mittelmäßigkeit nicht kaputtmachen!

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