Hoch gepokert und verloren

Wolfgang Clement wurde nicht aus der Partei ausgeschlossen. Statt dessen ist Clement aus der SPD nach über 30 Jahren ausgetreten und es stellt sich die Frage aller Fragen: Warum?

Vielleicht weil er nicht das erreichte was er ursprünglich beabsichtigt hatte: Als Opfer eines von der Parteilinken initiierten Parteiausschlussverfahren aus der SPD geworfen zu werden und somit für die Parteirechte zum Märtyrer zu werden.

War dies etwa sein eigentliches Ziel, der Parteiausschluss?

Seinen Abgang begründet er mit der Rüge durch die Bundesschiedskommission, der Tatsache, dass die Parteiführung keinen klaren Trennungsstrich zur PDS/Die Linke zieht und mit der derzeitigen Wirtschaftspolitik. Aber ist dies wirklich glaubhaft?

(1) Die Rüge: Clement beruft sich auf seine Meinungsfreiheit, doch diese wurde – trotz der Rüge – gewährt, denn es gibt nun einmal eine Parteisatzung an die sich auch Wolfgang Clement halten muss.

(2) Die PDS/Linke: 10 Jahre lang haben ihn weder Duldung (Sachsen-Anhalt) noch Koalition (Mecklenburg-Vorpommern & Berlin) mit der PDS/Die Linke gestört, insofern ist dieses Argument alles andere als glaubhaft.

(3) Die Deindustrialisierung: Dieser Strukturwandel findet seit den 70er Jahren in allen westlichen Industrienationen statt und hat wenig mit der Wirtschaftspolitik einer Partei zu tun. Die Ursachen liegen in der Automatisierung und Produktionssteigerung der Wirtschaft und Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa und Asien. Deutschland befindet sich auf dem Weg von der Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

Sind dies wirklich Gründe für seinen Austritt oder wurden diese nur vorgeschoben? Clement hat schon zuvor mit seinem Austritt gedroht, er hat bewusst provoziert, trotzdem hat es die Partei bei einer Rüge belassen. Viele haben sich für Clement, den langjährigen Weggefährten, den ehemaligen Ministerpräsidenten, Bundeswirtschaftsminister und stellvertretender Bundesvorsitzender eingesetzt und doch Clement schlug letztendlich allen, Parteifreunden und Gegnern, die Tür vor der Nase zu.

Mit dem Austritt von Clement ist der Parteilinken ein sehr guter „Parteifreund“ abhanden gekommen, trotzdem wurde Clement nicht zu dem Märtyrer wie einige seiner Parteifreunde vielleicht gehofft haben.

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Ein Gedanke zu “Hoch gepokert und verloren

  1. Deine Theorie hat was für sich. Wobei es auch sein könnte, dass er das nicht unbedingt wg. Märtyrertum machen wollte, sondern aus Trotz. Nach dem Motto: „ICH entscheide, wann ich die SPD verlasse.“

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