Die Prophezeiungen der US-Geheimdienste

Alle Jahre wieder schauen die US-Geheimdienste (NIC) in die Kristallkugel und veröffentlichen eine Studie:

Global Trends 2025

Besonders interessant ist meiner Meinung nach Kapitel 4 „Scarcity in the Midst of Plenty“ in dem u.a. die Verschiebung einer auf Öl-basierten Energiewirtschaft zu den – bei uns oft aus politischen und ideologischen Gründen abgelehnten – erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie vorhergesagt wird. Diese Technologien werden von den US-Geheimdiensten als die schnellste und günstigste Form des Übergangs im Zeitalter der „Post-Petroleum World“ dargestellt:

Despite what are seen as long odds now, we cannot rule out the possibility of a transition by 2025 that would avoid the costs of an infrastructure overhaul. The greatest possibility for a relatively quick and inexpensive transition during that period comes from better renewable generation sources (photovoltaic and wind) and improvements in battery technology. With many of these technologies, the infrastructure cost hurdle for individual projects would be lower, enabling many small economic actors to develop their own energy transformation projects that directly serve their interests—e.g., stationary fuel cells powering homes and offices, recharging plug-in hybrid autos, and selling energy back to the grid.

Das Kapitel geht aber auch davon aus, dass der Öl- und Gasverbrauch weltweit trotz dieses Wandels weiter steigen wird. Verlierer dieser Entwicklung werden in erster Linie die vom Öl-export-abhängigen Staaten sein wie Saudi-Arabien, Iran, Venezuela etc. sein, was zu politischen Reformen in diesen Staaten führen kann. Ebenso gehen die Autoren der Studie davon aus, dass diese energiepolitische Wende sehr starke Auswirkungen auf die durch Petrodollar finanzierte populistische Politik einiger Regierungen haben wird.

Weitere Themen dieser 120-Seiten-dicken Studie sind die Folgen der Finanzkatastrophe von 2008, die Rolle der Frau als Motor des geopolitischen Wandels, die neuen globalen Player, der Klimawandel, zukünftige Technologien, die strategische Rolle der Arktis, die Trinkwasserknappheit, zukünftige militärische Konflikte, das Ende von Al Qaida, das Ende der Ideologien, die Gefahr einer globalen Pandemie oder die Zukunft unserer Demokratien.

Für etwas Abwechslung sorgen fiktive Dokumente und Briefe, wie der Brief des brasilianischen Außenministers an den ehemaligen brasilianischen Staatspräsidenten aus dem Jahr 2021 (Seite 97 des PDF) oder ein Artikel der Financial Times vom 14. September 2024 (Seite 110).

Man kann nur hoffen, dass unsere Politiker diese Studie aufmerksam lesen und die – aus ihrer Sicht – notwendigen Konsequenzen ziehen. Man mag über die US-Geheimdienste denken was man will, aber ich habe selten eine so ausführliche und kritische Studie über unsere Zukunft gelesen.

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