Spargelprinzessinnen statt Europa?

Es ist für politisch interessierte Menschen keine Überraschung, dass viele Bundespolitiker Brüssel ignorieren, dass aber unser Wirtschaftsminister Glos sich lieber mit Spargelprinzessinnen und Weinköniginnen befasst anstatt sich mit seinen europäischen Amtskollegen über die Neuordnung des Telekommunikations- marktes und des Energiesektors auszutauschen, überrascht. Immerhin sind diese Märkte für Deutsche Unternehmen wie die Telekom, E.ON und RWE von extremer Bedeutung.

Aber Europa ist nicht die einzige politische Bühne wo unser Wirtschaftsminister durch Abwesenheit glänzt. Als die Finanzmärkte in den USA kollabierten war Glos wochenlang auf Tauchstation. Als die – verursacht durch die Finanzkrise – drohende Rezession politisch thematisiert wurde, waren Angela Merkel, Peer Steinbrück und einige Ministerpräsidenten zur Stelle. Und Glos? Der war anscheinend mal wieder in Unterfranken wandern.

Es erstaunt, dass in der derzeitigen Situation ein Minister die Ruhe hat seinen Wahlkreis zu besuchen, er aber seiner Aufgabe als Bundesminister aller Deutschen nicht wahrnimmt, diese an Mitarbeiter delegiert und Ruhm und Ehre seinen sozialdemokratischen Kollegen und der Kanzlerin überlässt. Dieses bayrische Desinteresse scheint nicht nur Glos zu besitzen, sondern wurde auch bei Horst Seehofer sichtbar, der inzwischen bayrischer Ministerpräsident ist.

Es stellt sich hier wirklich die Frage ob bayrische Politiker die Interessen Deutschlands überhaupt vertreten wollen oder ob es ihnen letztendlich nur um den Standort Bayern geht?

Immerhin ist Deutschland dann wichtig, wenn es um die eigene Wirtschaft geht. Die Milliardenhilfe für bayrische Banken wird gerne genommen! Aber wehe es geht um Hilfen für Unternehmen wie Opel, dann wird die Wirtschaftshilfe in Frage gestellt und die Kanzlerin für ihren wirtschaftspolitischen Kurs kritisiert.

Nur eines fällt mal wieder auf: wo ist eigentlich unser bayrischer Bundeswirtschaftsminister?

Werte CSU-Politiker, wenn es Euch nur um Bayern und das Wohlergehen der bayrischen Wirtschaft geht, dann wandert lieber im Frankenland, besucht Wein- und Spargelfeste und überlasst die Rettung des Standort Deutschland den bundesdeutschen Politikern und Parteien. In Bayern habt Ihr ja mit Hubers Erbe (Stichwort BayernLB) genug zu tun …

Advertisements