Ist Bioenergie ökologisch?

Zusammen mit der diesjährigen EuroTier fand die BioEnergy Europe statt. Im Rahmen dieser Ausstellung für Bioenergie wurden unterschiedliche Visionen, Konzepte und Produkte dem Fachpublikum vorgestellt. Viele dieser Konzepte fand ich interessant und auch zukunftsträchtig, jedoch gab mir insbesondere die technische Beschreibung einer Biogasanlage zu denken.

Die Leistung dieser Biogasanlage von 500 kW wird laut Produktbeschreibung durch die Vergärung von 7.500 Tonnen Mais, 400 Tonnen Weizen und 5.000 m³ Gülle gewonnen. Ist die Vergärung von fast 8.000 Tonnen Getreide in Zeiten steigender Getreidepreise und den dadurch verursachten Mangel an Nahrungsmittel (Stichwort Tortilla-Krise) wirklich noch ökologisch und vor allem nachhaltig? Und welche Folgen hat dieser Rohstoffbedarf für unsere Umwelt?

Die Verwendung von Lebensmitteln als Rohstoff für die Energieproduktion hat weitreichende Folgen und geht zu Lasten der Nahrungsmittelversorgung in anderen – ärmeren – Teilen unserer Welt. Eine ökologische und vor allem nachhaltige Energieversorgung muss bedeuten, dass diese nicht zu Lasten anderer geht, dass diese nicht die Nahrungsmittelversorgung und somit das Überleben von Menschen gefährdet. Aber diese Form der Bioenergie hat nicht nur gravierende Auswirkung auf die weltweiten Preise und Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln, sondern auch auf unsere Umwelt.

Der wachsende Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen wie Getreide (Mais, Weizen), Zuckerrüben, Soja und Raps durch die Agrar- und Energieindustrie wird zu Monokulturen und intensiver Landwirtschaft führen, in Entwicklungsländern wird der Regenwald gerodet um durch den Anbau und Verkauf von „nachwachsender“ Rohstoffe sowohl die eigene Energieversorgung zu decken als auch die Rohstoffe zu steigenden Preise auf den Weltmarkt gegen Devisen zu verkaufen. Nicht nur wird es entsprechende Züchtungen geben, die den Brenn- und Energiewert der Pflanzen erhöhen, sondern mit Hilfe von GMOs werden diese für die Bedürfnisse der Biokonzerne optimiert. Letztendlich besteht die Gefahr, dass die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen durch die Wirtschaft und insbesondere die politisch protektionierte „grüne“ Energieindustrie zu Lasten der Natur und Menschen gehen wird.

Sieht so die grüne und ökologisch korrekte Energiepolitik aus, die hierzulande insbesondere von den Grünen und Teilen der SPD als Heil propagiert wird?

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Ein Gedanke zu “Ist Bioenergie ökologisch?

  1. Was hat Europa mit der Tortillakrise zu tun?
    Wie sehen denn die Fakten aus:
    Die deutsche Landwirtschaft könnte bei maximaler Ausnutzung aller Ackerflächen ganz Europa alleine ernähren.
    Wir nutzen gegenwärtig 5% der Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen… vor hundert Jahren waren es noch 15-20%!!!!
    Mit den Agrarpreisen von 2007 kann der energetische Verwertungspfad (z.B. über EEG) überhaupt nicht konkurrieren…diese Preise können garnicht aus der EEG-Förderung kommen

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