Zurück in eine andere Zeit …

versetzt fühlte ich mich vorhin, als ich nach langer Zeit mal wieder auf dem Friedhof war. Früher in den Sommerferien war ich oft dort, als kleines Kind mit meiner Großmutter, da mein Großvater leider sehr früh verstorben war. Heute eher selten, da der eigene Wohnort einige hundert Kilometer weit weg ist.

Der Friedhof, ein Ort der Stille, der Besinnung und der Erinnerung. Erinnerungen an sonnige Tage in den Ferien, Vögel, Bäume, Blumen, kleine Paläste mit Säulen, Figuren … gerade die alten Gräber prachtvoll verziert, Kunstwerke im Vergleich zu den heutigen – tristen und langweiligen – Grabsteinen. Im Winter die Eichhörnchen, die ich mit Nüssen lockte, selbst einen Meisenball hatte meine Großmutter aufgehängt.

Inzwischen ist der Friedhof leer, verlassen! Immer mehr Gräber verwahrlosen, werden von der Friedhofsverwaltung geräumt, es entstehen Lücken in den Reihen der Grabstätten, aus Lücken werden größere Flächen und letztendlich sieht man zwischen den Bäumen das ein oder andere Grab. Es ist nicht mehr wie früher, es ist einsamer, leerer und kälter geworden, es bleibt die Erinnerung, die Erinnerung an meine Großmutter die fast täglich das Grab besuchte und pflegte.

Und Heute…? Wenn man vor Ort ist, wenn man Zeit hat, es nichts wichtigeres gibt, dann besucht man das Grab, stellt frische Kerzen auf, entfernt ein paar Blätter und ist froh das man seine Gefühle und Erinnerungen hinter der „coolen“ Sonnenbrille verstecken kann.

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Ein Gedanke zu “Zurück in eine andere Zeit …

  1. Schöner Beitrag…Ich mag Friedhöfe allgemein sehr gern. Früher bin ich dort spazieren gegangen, einfach nur um meine Gedanken zu sammeln, ganz ohne morbide Interessen.
    Seit es tatsächlich auch Gräber gibt, die ich besuche, hat sich das halb-neutrale Wohlgefühl natürlich geändert. Wenn ich da bin, bin ich traurig. Aber das ändert nichts daran, dass ich dort immer noch meine Gedanken gut sammeln kann.

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