Politik besteht nicht aus Legosteinen

Durch Julia wurde ich auf einen Beitrag auf Jan’s EUBlog aufmerksam, in dem sich dieser mit einer Abspaltung der Realos um Cem Özdemir von den Grünen auseinandersetzt. Nur warum sollten sich die Grünen spalten – aufgrund der Flügelkämpfe zwischen Realos und Fundis? Solche innerparteilichen Differenzen gehören zum parteipolitischen Alltag und zu einer innerparteilichen Meinungsbildung.

Was wäre die Folge des politischen „Outsourcing“ für unsere politische Landschaft in Deutschland? Aus Grünen würden Realos und Fundis, aus der Union würde eine liberale, eine christlich-soziale und eine konservative Partei hervorgehen, Forum Demokratische Linke 21, Seeheimer Kreis und das Forum Nürnberger Mitte würden genauso ihre eigenen Wege gehen wie die verschiedenen politischen Strömungen und Flügel der Linken.

Und dann…?

Würde aus diesem Haufen Legosteine neue Parteien entstehen, würden sich Realos vielleicht mit Teilen aus Union, FDP und SPD zu einer neuen linksliberal-bürgerlich-ökologischen Partei der Mitte zusammenfinden? Würde Lafontaine zusammen mit Ypsilanti und Geißler eine globalisierungskritische Protestpartei gründen und würde im christlich-konservative Spektrum eine neue Kraft entstehen?

Theoretisch gibt es sicherlich viel Potential aber selbst der ambitionierte Versuch einiger SPDler und Gewerkschaftsmitglieder (WASG) führte über eine gemeinsame Liste mit der PDS zur späteren Fusion zur Partei Die Linke. Welchen Weg würden und müssten die „Realos“ politisch gehen um nicht an der 5 % Hürde zu scheitern?

Die Grünen müssen – genauso wie SPD und Union – lernen mit der parteiinternen Meinungsvielfalt besonnen umzugehen. Es wird immer Spannungen geben, es wird immer einer der Flügel den anderen zeitweise dominieren aber letztendlich ist gerade diese Meinungsvielfalt und der gemeinsame Weg der Meinungsbildung die Chance Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Überzeugungen für die Partei zu gewinnen.

Eine Spaltung würde meiner Meinung nach das politische Ende der Grünen bedeuten und letztendlich wären es nicht inhaltliche Differenzen sondern alleinig persönliche Gründe die zu einem solchen „Outsourcing“ führen würden. Politiker, denen die eigene Eitelkeit wichtiger ist als Partei, Mitgliedern und Wähler sind fehl am Platz und mit einer der Gründe für die derzeitige Politik- bzw. Parteiverdrossenheit der Menschen.

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Ein Gedanke zu “Politik besteht nicht aus Legosteinen

  1. Das Problem ist, dass die Parteien zwar innerlich „Lager“ haben, diese aber personell und machtstrukturell nicht so zerlegbar wären, dass man sie nach einer Aufspaltung einfach mit einem ähnlichen Lager einer anderen Partei zusammenstecken kann.

    Eine Spaltung der Grünen ausgerechnet heute wäre im Übrigen lächerlich, schließlich existiert diese Lagerhaltung doch schon seit der Gründung.

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