Brot und Spiele

Marcel Reich-Ranicki hat mit seiner „überraschenden“ Kritik den Nagel auf den Kopf getroffen. Wobei es meiner Meinung nach keine Überraschung war, denn Reich-Ranicki ist für seine scharfen und kritischen Worte bekannt, gehört nicht zu den Menschen die – wie manch anderer Schauspieler – demütige Dankbarkeit für den Deutschen Fernsehpreis zeigt sondern der sagt was er denkt.

Das er am Samstag den Preis nicht angenommen hat, war die PR, die das ZDF brauchte um das Interesse für eine langweilige und letztendlich überflüssige Sendung zu wecken. Dabei war und ist die Sendung – genauso wie das Fernsehprogramm – nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Hartz IV das Brot, Gerichtssendungen, Reality- und Kochshows die Spiele. Und damit kommen wir zu dem eigentlichen Problem, denn die Sender produzieren nur den „Müll“, den der Zuschauer auch konsumiert.

Leider kann sich Reich-Ranicki die Zuschauer genauso wenig aussuchen wie ein Politiker sich sein (Wahl-)Volk aussuchen kann. Trotz allem wird nicht nur auf Arte oder 3Sat hochwertiges TV-Programm geboten, genauso wenig wie nur an Trash-Formate mit dem der Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet werden. Bleibt zu hoffen, dass die Intendanten diese konstruktive Kritik verinnerlichen und die notwendigen Konsequenzen ziehen oder ob diese – wie üblich – ignoriert wird.

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6 Gedanken zu “Brot und Spiele

  1. Das ist doch alles eine Farce…Rein Ranicki ist doch auch nur geil auf Aufmerksamkeit, er ist uninformiert in diese Auszeichnung gegangen und hat das gesamte Deutsche Fernsehen über einen Kamm geschert.
    Natürlich gibt es Formate die einfach nur überflüssig sind und die Auszeichung der besten Reality war auch einmal nur unüberlegt. Aber was gibt es denn an dem Preis auszusetzen? Es werden doch damit gerade die Formate ausgezeichnet die hochwertig sind. Und wenn Herr Ranicki meint das Fernsehen hierzulande wäre schlimm, dann soll er sich mal andere Länder ansehen. Ich wette zB dass er noch niemals den Sender MTV eingeschaltet hat, aus Prinzip. Und da liegt das Problem. Er weiß nicht wovon er redet. Soll er doch Bücher kritisieren, aber Fernsehen lieber nicht. Nämlich auch auf Sendern die er nicht mal mit seinem Hintern ansehen würde laufen intelligente Formate. Nahezu alle Cartonns auf dem „Musik“sender sind spitze. Das ist genauso als wenn man behaupten würde die Simpsons wären NUR eine dummer Zeichentrickserie, wer so etwas sagt, der weiß nicht wovon er redet. Solch eine Verleihung ist ja ein Spiegel dessen was es an hochkarätigen Formaten gibt und keine persönliche Meinung eines Buchkritikers. Das Peinliche an der ganzen Verleihung waren nicht zwingend einige seltsame Nominierungen, sondern Herr Ranickis viel zu überreagierte Reaktion.

  2. Alle Achtung das Reich-Ranicki mit 88 Jahren seinem Mund aufgetan hat. ob nun dieser nachhaltige und notwendige Rüge auch Konsequenzen von den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wirken wird, wäre wirklich gut. Lassen wir uns einmal überraschen! Danke an MRR!

  3. @ Schaps

    Wenn man das Interview mit Reich-Ranicki gelesen hat, sieht das alles auch etwas „harmloser“ aus als es jetzt von den Medien „ausgeschlachtet“ wird. Ohne Reich-Ranicki, was hätten die Medien schon groß zu berichten gehabt?

    @ Lars Michael Lehmann

    Es sind immer die „Alten“ die ihren Mund aufmachen. Leider hört man selten auf die nachhaltigen und notwendigen Worte der „Alten“ … wobei sich die Kritik von Reich-Ranicki nicht ausschließlich gegen die Öffentlich-Rechtlichen sondern m.M. nach mehr gegen die Privaten richtet.

  4. Grad läuft die Sendung mit Gottschalk und Ranicki im ZDF…eine Farce…ganz ehrlich. Einfach nur arm. Ranicki will irgendwelche seltsamen Sachen im Fernsehen sehen und Gottschalk verteidigt das aktuelle Programm der Sender…

  5. Hab’s mir gar nicht erst angeschaut, dafür mich den Genüssen der italienischen Küche hingegeben. Man muss ja in Krisenzeiten die lokale Wirtschaft unterstützen 😉

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