Zentrale oder föderale Bildung?

Bundesweites Zentralabitur, dies fordert Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU). Dass ausgerechnet aus der CDU diese Forderung kommt, erstaunt, denn die Forderung nach einem deutschlandweit einheitlichen Abitur widerspricht dem von der CDU gepriesenen Bildungsföderalismus.

Günter Oettinger muss sich überlegen was er bildungspolitisch will – entweder bildungspolitischen Föderalismus oder ein bundesweites Zentralabitur.

Was bedeutet ein bundesweites Zentralabitur für die Bildungshoheit der Länder? Zum einen, dass die Lehrpläne in allen Bundesländern identisch sein müssen, denn ohne einen einheitlicher Bildungsstandard gibt es keinerlei Grundlage für das zentrale Abitur. Zum anderen bedeutet dies aber auch das Ende der bildungspolitischen Hoheit der Länder – der Vorschlag von Oettinger setzt voraus dass es einen einheitlichen Erwartungshorizont, einheitliche Notengebung und eine einheitliche Prüfungsordnung gibt.

Auf der Seite der Verwaltung kommt hinzu, dass in allen 16 Bundesländern die Prüfungen am selben Tag, zur selben Stunde geschrieben werden müssen. Dies bedingt auch eine Abstimmung der Ferien in den Schulen, eine zeitliche Abstimmung der Lehrpläne und auch hinsichtlich der Korrektur käme auf die Schulbehörden ein entsprechender Mehraufwand zu. Die Kosten für das Monstrum Zentralabitur trägt natürlich der Steuerzahler.

Was ist der Nutzen eines bundesweiten Zentralabiturs? Das Zentralabitur setzt einen einheitlichen Wissensstandard bei den Abiturienten voraus, es wird nicht mehr das gute bayrische und das miese norddeutsche Abi gegen – aber wird ein Zentralabitur wirklich die Qualität der Anforderung an die Abiturienten erhöhen oder wird die Leistungsanforderung sinken, damit alle bundesweit das Zentralabitur bestehen?

Meiner Meinung nach ist die politische Forderung nach einem bundesweit einheitlichen Zentralabitur purer Aktionismus um das Sommerloch zu füllen. Es gibt in Deutschland gerade im Bildungsbereich wichtigere Probleme, insbesondere was Schulabbrecher und das Bildungsniveau bei Haupt- und Realschülern betrifft.

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