Die Naivität unserer Drogenbeaufragten

Urlaubszeit ist Lesezeit… nicht nur weil ich heute auf der Frankfurter Buchmesse war sondern auch weil ich endlich mal wieder die Zeit gefunden habe, neben diversen Büchern den Spiegel zu lesen. Es war mal wieder interessant zu sehen, wie man beim Spiegel Artikel thematisch einordnet. Man kann zwar zum Alkoholkonsum stehen wie man will aber wenn ich mir diesen Artikel anschaue, dann frag ich mich schon wieso dieser unter Wirtschaft/Lobbyisten zu finden ist, geht es doch in erster Linie um den Alkoholkonsum (Gesellschaft) und Politiker (Politik) und ist somit ein gesellschafts- bzw. gesundheitspolitisches Thema.

Am meisten erstaunt hat mich weniger der Inhalt des Artikels (abgesehen davon, dass die viel gescholtene USA bereits bewiesen hat, dass die Prohibition von Alkohol im letzten Jhdt. als auch die Altersgrenze von 21. Jahren den Konsum bzw. insbesondere den Missbrauch nicht unterbindet wie die Springbreak zeigt, die selbst die Exzesse des guten doitsche Verbindungssaufens in den Schatten stellt), sondern die Naivität unserer Drogenbeaufragten Sabine Bätzing. Wenn man schon der Meinung ist, das Alkohol „neben Tabak die Volksdroge Nummer eins“ sei, dann sollte man auch wissen was im EU Strategiepapier des Verbraucherschutzkommissars Markos Kyprianou steht.

Den Entwurf “ Discussion Paper on the EU Strategy on Alcohol. Informal draft by officials discussed“ kann man seit März 2005 auf der Webseite der Europäischen Kommission finden. Verbände als auch Politiker (z.B. Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer) kennen den Entwurf und haben sich dazu bereits ein Bild gemacht. Wenn die Sprecherin der Drogenbeaufragten gegenüber dem Spiegel behauptet, dass man diesen Entwurf nicht kennen würde, dann kann man ein solches Verhalten als Naiv oder Unfähig bezeichnen, in beiden Fällen ist aber Frau Bätzing die falsche Person als Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Es ist wirklich bemerkenswert, dass die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die derzeitige politische Diskussion über die zukünftige Anti-Alkohol-Strategie der EU Kommission nicht kennt. Sowohl Ihr Vorgesetzter Horst Seehofer als auch die Lobbyisten und die Journalisten wissen Bescheid. Dass die Fachfrau in Berlin weder vom Entwurf und der öffentlichen Diskussion, die seit 2005 zu diesem Thema geführt wird, etwas mitbekommen hat und wartet bis am 12. Oktober das endgültige Strategiepapier der EU Kommission vorgelegt wird, ist bedenklich.

Quelle:
DER SPIEGEL (40/2006) – 02.10.2006 „Die erste Scheibe der Salami“
Webseite der EU Kommission, Generaldirektion Gesundheit: Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen und anderen Menschen
Webseite der EU Kommission, Generaldirektion Gesundheit: Grundsatzpapiere

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